Resilienz im Beruf: Wenn der Arbeitsstress keine Chance hat

Von Christina Holl 11. Juli 2019

Was bedeutet Resilienz bei der täglichen Arbeit? Resiliente Menschen können Krisen leichter bewältigen und lassen sich auch von Rückschlägen nicht unterkriegen. Diese Fähigkeit wird im Job-Alltag immer wichtiger. Warum das so ist und wie Sie Ihre Resilienz stärken können, lesen Sie hier. 

Resilienz: Die Bedeutung hoher Belastbarkeit bei der Arbeit 

Definition: Was bedeutet Resilienz?

In der Psychologie bezeichnet Resilienz die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und selbst aus Rückschlägen noch Stärke zu ziehen.

Resiliente Menschen verfügen über ein besonders hohes Mass an Belastbarkeit und innerer Widerstandsfähigkeit. Sie sind – kurz gesagt – innerlich stark, gefestigt und lassen sich von nichts so leicht unterkriegen. 

Der Begriff “Resilienz” wurde ursprünglich nur in der Physik verwendet. Resilient ist ein Stoff, der sich verformen lässt, aber dennoch wieder seine ursprüngliche Form annimmt.

Das klingt nach einer wertvollen Fähigkeit? In der Tat – und Resilienz gewinnt auch im Beruf immer mehr an Bedeutung. Denn der heutige Arbeitsalltag erfordert es, sich schnell auf neue Situationen einzustellen.

Umstrukturierungen, schnellere und komplexere Abläufe, Jobwechsel – vieles davon lässt sich von Mitarbeitern nicht selbst beeinflussen und stellt sie immer wieder vor neue Herausforderungen. 

Was zeichnet resiliente Menschen im Job besonders aus? 

Wer mit diesen Herausforderungen umgehen kann und sozusagen „Stehaufmännchen“-Fähigkeiten an den Tag legt, kann mit Stress auf der Arbeit besser umgehen als jemand, der sich in Krisensituationen leicht verunsichern lässt. 

Dabei bedeutet Resilienz nicht, eigene Gefühle zu unterdrücken, um sich bewusst abzuhärten. Resiliente Menschen erleben auch negative Emotionen, können damit aber besonders gut umgehen und kommen schnell über sie hinweg. 

Resiliente Menschen zeichnen sich vor allem durch folgende Fähigkeiten aus – Psychologen sprechen auch von den sieben Säulen der Resilienz:

  1. Selbstbewusstsein: Wer resilient ist, glaubt an sich und seine Stärken. In Krisensituationen bedeutet das: Statt sich in der Opferrolle zu sehen, entwickeln resiliente Mitarbeiter Lösungen, um das Problem zu bewältigen.
  2. Kontaktfreude: Gemeinsam ist man stärker – das wissen resiliente Menschen und suchen sich daher im Beruf aktiv Kontakte, die ihnen nützen und sie voranbringen. 
  3. Gefühlsstabilität: Resilienz bedeutet auch ein hohes Mass an emotionaler Intelligenz und Reife. Wer darüber verfügt, kann den Stress im Job leichter bewältigen und Krisen als Herausforderungen sehen.
  4. Optimismus: Schwierige Situationen werden akzeptiert – mit der festen Überzeugung, dass es gelingen wird, sie zu verbessern.  
  5. Handlungskontrolle: Wer resilient ist, handelt überlegt und nicht impulsiv. Verhaltensanreizen wird nicht leichtfertig nachgegeben, stattdessen bleibt das eigentliche Ziel im Blick. 
  6. Realismus: Langfristiges Denken hilft resilienten Menschen, konstruktiv realistische Ziele zu entwickeln und sich auch von Schicksalsschlägen wie einem Arbeitsplatzverlust nicht aus der Bahn werfen zu lassen. 
  7. Analysestärke: Resiliente Menschen denken nicht immer im selben Muster, sondern können sich davon lösen und Dinge von einer anderen Seite betrachten. So kommen sie oft zu besseren Lösungen. 

Resiliente Mitarbeiter – verzweifelt gesucht 

Wie wertvoll resiliente Mitarbeiter sind, haben auch die Chefs längst erkannt – das zeigt die Robert Half Arbeitsmarktstudie 2019.

Fast ein Drittel (31 %) der befragten Personalverantwortlichen glaubt, dass diese Fähigkeit in den kommenden drei Jahren sehr viel stärker gefragt sein wird – an Position drei knapp hinter Kommunikationsfähigkeit (37 %) und strategischem Denken (35 %). 

Gleichzeitig sind sich die Personalmanager bewusst, dass der „Mitarbeiter aus Stahl“, den nichts aus der Bahn werfen kann, eher eine Wunschvorstellung als die Realität ist.

Auf die Frage, welche soziale Fähigkeit in den kommenden Jahren schwieriger zu finden sein wird als heute, antwortete ein gutes Viertel der Personalverantwortlichen (26 %) mit Resilienz. 

Kann man Resilienz lernen?

Da stellt sich die Frage: Kann man Resilienz lernen, um mit diesem wertvollen Soft Skill auf dem Arbeitsmarkt zu punkten?

Viele Psychologen sind der Meinung: Ja, das geht. Die Persönlichkeit ist auch im Erwachsenenalter noch zu einem gewissen Mass formbar – wenngleich die Basis dafür in der Kindheit gelegt wird.

Insbesondere Personen, die sich von ihren Eltern geborgen und beschützt, aber auch im positiven Sinne gefordert fühlten, sind von Natur aus oft resilienter als andere. Ihnen wurde vermittelt: „Egal, was passiert – du kannst mit der Situation umgehen.“

Um die eigene Resilienz bei der Arbeit zu stärken, helfen folgende Tipps: 

  • Akzeptieren Sie Veränderungen – sie gehören zum Arbeitsleben dazu. Verabschieden Sie sich von dem Grundgedanken, dass früher alles besser war.
  • Versuchen Sie, auch schwierige Situationen optimistisch zu betrachten: Krisen sind nicht unüberwindbar. Glauben Sie an Ihre Fähigkeiten und begeben Sie sich nicht in die Opferrolle. 
  • Raus aus der Komfortzone: Werden Sie aktiv, übernehmen Sie Verantwortung und stellen Sie sich neuen Herausforderungen.
  • Bauen Sie sich im Job ein Netzwerk auf, das Ihnen Unterstützung und Rückhalt gibt. 
  • Prüfen Sie kritisch Ihre Work-Life-Balance. Wo liegen die Stressfaktoren – und was können Sie tun, um sie zu minimieren? 

 

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Bildquelle © benwhitephotography - Unsplash.com

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