Weniger Fluktuation durch Gegenangebote?

19. Dezember 2013

Zürich – Immer mehr Arbeitgeber in der Schweiz unterbreiten wechselwilligen Mitarbeitenden Gegenangebote. Wie eine von OfficeTeam in Auftrag gegebene Studie unter 50 HR-Managern mit Personalverantwortung für über 20.000 Mitarbeitende herausfand, greift etwa jeder siebte Personalverantwortliche bei Kündigungen auf Gegenangebote zurück. Vor dem Hintergrund steigender Fluktuationsraten und einem verschärften Kampf um die besten Köpfe, hoffen viele Unternehmen so, abwanderungswillige Fachkräfte noch einmal umstimmen zu können.

Kündigt ein Mitarbeitender, unterbreiten heutzutage 72 % der Personalverantwortlichen in der Schweiz ein Gegenangebot. Rund ein Viertel der insgesamt 50 befragten HR-Manager merkt sogar an, dass im Vergleich zu 2008 deutlich häufiger Gegenangebote vorgelegt werden.

Die Studie hat auch untersucht, mit welchen Anreizen Arbeitgeber versuchen, die Kündigung eines Mitarbeitenden abzuwenden. Jedes zweite Unternehmen (50 %) bietet demnach abwanderungswilligen Fachkräften mehr Flexibilität, etwa Gleitzeiten oder die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten und somit Aussicht auf eine bessere Work-Life-Balance. Damit setzen Arbeitgeber an dem am häufigsten genannten Kündigungsgrund an, der für 47 % der Mitarbeitenden eine Work-Life-Unbalance ist.

Weiterhin offerieren 44 % der Personaler einen grösseren Verantwortungsbereich, um die Fachkraft zum Bleiben zu bewegen. Erst auf Platz drei und vier folgen ein höheres Gehaltsangebot und ein höherer Bonus, sie werden in 42 % bzw. 19 % der Fälle offeriert. Zusätzliche Ferientage, Zusatzbudget für Projekte oder eine Versetzung innerhalb der Schweiz oder sogar international sind in je 14 % bzw. 11 % der Unternehmen beliebte Inhalte des Gegenangebots.

Erzielen Gegenangebote den erhofften Zweck?

Es stellt sich allerdings die Frage, ob Gegenangebote eine effektive Massnahme zur Mitarbeiterbindung sind. Schliesslich geben 68 % der befragten HR-Manager an, dass weniger als die Hälfte aller Mitarbeitenden das Angebot annimmt, wenn sie sich im Vorfeld bereits für einen Jobwechsel entschieden haben. Es bleibt daher fraglich, ob Gegenangebote und die darin angebotenen Anreize geeignet sind, um abwanderungswillige Fachkräfte noch einmal umstimmen zu können.

Gegenangebote sind aus unserer Erfahrung durchaus ein probates Mittel, um Mitarbeitende zu halten. Sie erfüllen diesen Zweck allerdings nur dann, wenn sie individuell auf die Bedürfnisse und Anforderungen des jeweiligen Mitarbeitenden eingehen und adäquate Anreize bieten. Viel sinnvoller beim Thema Mitarbeiterbindung ist aus unserer Sicht, dass bereits frühzeitig entsprechende Massnahmen eingeführt werden. Arbeitgeber sollten dafür in regelmässigen Abständen die Zufriedenheit und Loyalität abfragen und dementsprechend Angebote bereitstellen. Grundsätzlich gilt aber auch, dass ein gesundes Mass an Fluktuation für jedes Unternehmen wichtig ist. Denn neue Talente bringen auch neue Impulse und Know-how mit“, empfiehlt Sven Hennige, Managing Director Central Europe & Germany von Robert Half.