Unternehmen kämpfen gegen steigende Fluktuation

28. November 2013

Die Arbeitsstelle fürs Leben wird zum Auslaufmodell

Zürich – Mitarbeitende sind heute deutlich häufiger zu einem Jobwechsel bereit, als dies noch vor drei Jahren der Fall war. Eine mangelnde Balance zwischen Arbeit und Freizeit, zu hohe Arbeitsbelastung und Stress, aber auch die Angst vor Entlassungen führen immer häufiger dazu, dass der Arbeitnehmer das Unternehmen aus freien Stücken verlässt.

Diese Tendenz zeigt die aktuelle Studie unter 250 HR-Managern in Deutschland und der Schweiz im Auftrag von OfficeTeam, dem spezialisierten Personaldienstleister für Fachkräfte im Büro- und Assistenzmanagement.

Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz sind die Unternehmen häufiger mit wechselwilligen Mitarbeitenden konfrontiert. Im Vergleich zum Jahr 2010 verzeichnen 28 % der deutschen HR-Manager einen leichten bis signifikanten Anstieg der Fluktuationsrate. 

In der Schweiz zeigt sich ein noch deutlicheres Bild: 38 % der Personalverantwortlichen stellen eine Zunahme der freiwilligen Kündigungen fest.

Mitarbeiterbindung wird zu immer grösserer Herausforderung

Verglichen mit der Zeit von vor drei Jahren verbuchen 54 % der befragten Unternehmen in Deutschland und 48 % in der Schweiz stabile Fluktuationsraten. Einigen wenigen Unternehmen ist es zwischen 2010 und heute indes gelungen, die Anzahl der freiwilligen Austritte zu reduzieren.

In der Schweiz verzeichnet jeder siebte HR-Manager (14 % der Befragten) einen leichten bis bedeutenden Rückgang wechselwilliger Mitarbeitender, bei den deutschen Kollegen ist es immerhin jeder Fünfte (19 % der Studienteilnehmer).

Nährboden für Fluktuationswachstum: Stress, Work-Life-Unbalance und Jobunsicherheit

Weder die fehlende Aussicht auf einen Wechsel in die Chefetage oder neue Teamkollegen machen Mitarbeitenden primär das Arbeitsleben schwer und sind Grund für einen Jobwechsel. Nur 5 % der Schweizer und 7 % der deutschen Arbeitnehmer nennen dies als Kündigungsgrund.

Viel mehr die mangelnde Work-Life-Balance trägt bei fast der Hälfte der Schweizer (47 %) und bei 45 % der Deutschen massgeblich zur Entscheidung gegen die aktuelle Arbeitsstelle bei. Zahlreiche Wechselwillige hoffen, dem zermürbenden Stress und der wachsenden Arbeitsbelastung durch einen Jobwechsel entfliehen zu können (37 % Schweiz, 38 % Deutschland).

Verlustängste um den aktuellen Job führen bei gut einem Viertel der Schweizer (26 %) und etwa jedem fünften deutschen Mitarbeitenden (22 %) zur Wechselabsicht: Deutet die Unternehmensentwicklung auf einen möglichen Stellenabbau hin, wählen sie den proaktiven Weg und kündigen selbst, bevor der Arbeitgeber Jobs streicht.

Geringere Fluktuation dank sicherer Jobs und guter Unternehmensresultate

Unternehmen, denen es gelungen ist, die Fluktuation in den letzten drei Jahren zu senken, zeichnen sich durch Vertrauenswürdigkeit aus. So nennen 68 % der deutschen und 43 % der Schweizer HR-Manager die positiven Erwartungen bezüglich der Firmenentwicklung als Grund für die wachsende Loyalität der Mitarbeitenden. 

Sichere Jobs werden in Deutschland noch stärker gewichtet als in der Schweiz (74 % zu 43 %), wobei die Schweizer eine ausgeglichene Work-Life-Balance tendenziell eher ins Zentrum rücken (43 % zu 29 % Deutschland) und zu Gunsten des Ausgleichs gerne auf einen Jobwechsel verzichten.

„In unserer Beratungspraxis stellen wir kontinuierlich steigende Anforderungen an die Mitarbeiter fest. Dies geschieht natürlich im Zuge der wachsenden Herausforderungen an die Unternehmen als Organisation, die auf immer effizientere Strukturen bauen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Entwicklung führt allerdings auch zu mehr Unzufriedenheit und erhöhten Fluktuationsraten. 

So ist es nachvollziehbar, wenn sich Arbeitnehmer durch den Jobwechsel eine Verbesserung ihrer Situation erhoffen. Unsere Erfahrung – wie auch die Studie belegt – zeigt, dass Unternehmen diesen Trend abschwächen können, indem sie Mitarbeitenden Sicherheit vermitteln und ausreichenden Ausgleich bieten“, erklärt Sven Hennige, Managing Director Central Europe & Germany von Robert Half.