Gehalt im Vorstellungsgespräch: Fordern Sie nicht zu viel

So formulieren Sie Ihre Gehaltsvorstellung

«Da wäre dann noch eine Frage: Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?» Ein Satz, der so manchen Bewerber ins Schwitzen bringt.

Sie fragen sich: Wie hoch ist mein persönlicher Marktwert? Wo und wie stelle ich einen Gehaltsvergleich an? Was passiert, wenn ich zu viel verlange? Und welchen Eindruck vermittle ich, wenn ich den Betrag zu niedrig ansetze?

Hier erfahren Sie, wie Sie die perfekte Antwort auf die Fragen nach Ihrer Gehaltsvorstellung finden.

Gehaltsvorstellung: Brutto oder Netto?

Grundsätzlich gilt: Personaler verstehen unter «Gehaltsvorstellung» Ihr erwartetes Bruttojahresgehalt inklusive aller Zusatzleistungen. Basis für Ihr Wunschgehalt ist deshalb der Lohn, zu dem Sie folgende Posten dazuzählen:

  • Weihnachtsgeld (Gratifikation)
  • Vermögenswirksame Leistungen und zusätzliche Versicherungen
  • Boni und Prämien
  • Sachbezüge wie freie Verpflegung oder Rabatte
  • Kosten für Fort- und Weiterbildungen
  • Geldwerte Vorteile, z.B. ein Firmenwagen

Einen ersten Anhaltspunkt für eine angemessene Gehaltsforderung erhalten Sie aus Gehaltsvergleichen.

In der kostenlosen Gehaltsübersicht von Robert Half finden Sie Gehaltsangaben für Fach- und Führungskräfte im Finanz- und Rechnungswesen sowie im Assistenz- und kaufmännischen Bereich, aufgeschlüsselt nach Berufserfahrung.

Diese Faktoren wirken sich auf Ihre persönliche Gehaltsforderung aus

Folgende Punkte sollten Sie unbedingt beachten, bevor Sie Ihre endgültige Gehaltsvorstellung in der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch nennen:

  • Potenzial und Erfahrungen: Die eigenen Qualifikationen sowie persönliche Skills spielen eine entscheidende Rolle bei der Höhe des Gehalts. Je mehr Erfahrung Sie als Bewerber mitbringen, desto mehr Gehalt ist für Sie drin. 
  • Position und Branche der ausgeschriebenen Stelle: Je mehr Verantwortung oder Spezialisierung Ihnen der Job abverlangt, desto höher fällt auch das Gehalt aus. In Branchen, in denen Fachkräfte händeringend gesucht werden, steigen die Löhne am schnellsten. Wo der Bedarf gerade sehr hoch ist, finden Sie über Ihr Netzwerk, Medienberichte, gute Personalberater oder Fachverbände heraus.
  • Standort und Grösse des Unternehmens: Internationale Konzerne zahlen oft besser als kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Und: In Grossstädten fallen die Gehälter höher aus als in strukturschwächeren Regionen. 
  • Finanzielle Lage Ihres potenziellen Arbeitgebers: Recherchieren Sie zum Beispiel in aktuellen Medienberichten, ob es kürzlich eine Finanzspritze oder eventuell eine Übernahme gab. Anhand des Umsatzes und des Gewinns ziehen Sie gute Rückschlüsse auf die Finanzstärke des Unternehmens.

Nach dem Gehaltsvergleich: Legen Sie einen angemessenen Betrag fest

Sie wissen nun, wie gut das Unternehmen aufgestellt ist und was Andere in Ihrem Beruf mit ähnlicher Erfahrung verdienen können. Die gute Nachricht ist: Bei einem Jobwechsel sind Gehaltssteigerungen von bis zu 10 % möglich, in Einzelfällen auch mehr.

Wie hoch Ihr Aufschlag ausfällt, legen Sie selbst anhand der vorher gesammelten Informationen fest. Pokern Sie jedoch nicht zu hoch, sonst riskieren Sie ein schnelles Aus im Bewerbungsprozess.

Verkaufen Sie sich aber auch nicht unter Wert, auch wenn Sie unbedingt aus dem jetzigen Job raus wollen. Langfristig werden Sie sonst länger benötigen, um auf Ihr Wunschgehalt zu kommen. Auss

 

 

 

 

 

 

erdem kann eine zu niedrige Gehaltsforderung mangelnde Erfahrung und wenig Selbstbewusstsein beim Personaler signalisieren. 

Verzichten Sie auf komplizierte Angebote. Geben Sie Ihr Wunschgehalt brutto an – alle zusätzlichen Leistungen bereits einkalkuliert.

Krumme Beträge verdeutlichen, dass Sie eine klare Vorstellung davon haben, wie viel Sie wert sind. Experimente bestätigen, dass man auf diese Weise weniger heruntergehandelt wird. Runden Sie Ihre Gehaltsvorstellung in der Bewerbung auf Hunderter- oder Tausenderstellen, das reicht vollkommen. 

Erfolgreich bewerben: So formulieren Sie Ihre Gehaltsvorstellung 

Gelegentlich fordert der Arbeitgeber bereits in der Stellenanzeige eine Angabe der Gehaltsvorstellung. Dann sollten Sie diese unbedingt in Ihre Bewerbung schreiben - andernfalls sind Ihre Unterlagen nicht vollständig. Ihre Gehaltsforderung steht am Schluss des Bewerbungsanschreibens, direkt vor der Grussformel.

Im Vorstellungsgespräch dürfen Sie auf keinen Fall mit der Tür ins Haus fallen! Über Ihre Gehaltsvorstellung spricht der Personaler normalerweise erst am Ende des ersten oder sogar erst im zweiten Vorstellungsgespräch. Je nachdem, wie Ihr aktuelles Gehalt im Vergleich zum Markt ist, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen:

  • Ihr Gehaltsvergleich zeigt, Sie verdienen eher unterdurchschnittlich: Geben Sie Ihren bisherigen Lohn lieber nicht an, sondern nennen einfach Ihre Gehaltsvorstellung für den neuen Job im Vorstellungsgespräch: «Meine Gehaltsvorstellung liegt bei einem jährlichen Bruttogehalt von 58’000 Franken.»
  • Ihr Gehaltsvergleich zeigt, Sie verdienen eher überdurchschnittlich: Wollen Sie Einbussen vermeiden, dann nennen Sie Ihr bisheriges Jahresgehalt. So schaffen Sie klare Voraussetzungen: «Mein derzeitiges Bruttogehalt liegt bei 66’000 Franken im Jahr. Bei einem Wechsel stelle ich mir eine Steigerung um 10 % vor. »
  • Sie sind verhandlungsbereit? Formulieren Sie eine Gehaltsspanne oder ein «Zielgehalt». Das ist die erfolgsversprechendste Variante. Formulieren Sie Ihr Wunschgehalt dann so: «Meine Gehaltsvorstellung liegt zwischen 65’000 und 72’000 Franken brutto pro Jahr.» Oder: «Mein Zielgehalt liegt bei 72’000 Franken brutto pro Jahr.»
  • Sie möchten eine deutliche Gehaltssteigerung erreichen? Betonen Sie Ihre individuellen Fähigkeiten, um eine vergleichsweise hohe Gehaltsvorstellung in der Bewerbung zu rechtfertigen: «Aufgrund meiner Spezialisierung und meiner Fachkenntnisse liegt meine Gehaltsvorstellung bei etwa 80’000 Franken pro Jahr.»

Mit diesen Tipps sollten Sie bestens für Ihre Gehaltsverhandlung gewappnet sein. Wir haben eine Ihrer Frage rund um die Gehaltsvorstellung nicht beantwortet? Schreiben Sie uns an [email protected], wir helfen Ihnen gern weiter.

Bildquelle: ©  Photographee.eu / Fotolia.com