Jobsharing: Schweizer Unternehmen mit Nachholbedarf

15. Dezember 2014

Arbeitsmarktstudie 2014 von Robert Half: Viele Schweizer Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden an, in Teilzeit zu arbeiten

Zürich, 15. Dezember 2014 – Teilzeitarbeit zählt bei der Mehrzahl der Schweizer Unternehmen zu den Standardangeboten für flexible Arbeitsmodelle. Dies bestätigen 70 % der HR-Manager in der Schweiz, die für eine Studie im Auftrag des spezialisierten Personaldienstleister Robert Half befragt wurden. Beim Thema Jobsharing hinken die Eidgenossen allerdings im europäischen Vergleich noch hinterher: Mit 19 % liegen sie auf dem vorletzten Platz. Nur in Deutschland bieten noch weniger Unternehmen (15 %) ihren Mitarbeitenden Jobsharing an. Für die Arbeitsmarktstudie wurden 1.200 HR-Manager in Europa befragt.

Im europäischen Durchschnitt gehört das Angebot zum Jobsharing bei 25 % der Unternehmen zu den möglichen Arbeitsmodellen. Spitzenreiter in Europa ist Grossbritannien: Fast die Hälfte (48 %) der britischen Firmen gestatten ihren Mitarbeitenden das Teilen einer Stelle als Option für flexibles Arbeiten.

Robert Half hat HR-Manager europaweit gefragt: Welche der folgenden Arbeitsmodelle bietet Ihr Unternehmen aktuell an?

 

Ø
Europa

Schweiz

Deutschland

Grossbritannien

Österreich

Frankreich

Belgien

Niederlande

Jobsharing

25 %

19 %

15 %

48 %

22 %

19 %

23 %

23 %

Teilzeit

71 %

70 %

76 %

73 %

68 %

63 %

68 %

78 %

Flexible Arbeitszeiten

54 %

56 %

70 %

50 %

67 %

43 %

48 %

55 %

Home Office/Telearbeit

34 %

27 %

40 %

38 %

38 %

20 %

34 %

40 %

Vaterschaftsurlaub

40 %

33 %

41 %

59 %

39 %

16 %

44 %

43 %

Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2014, Befragte: 1.200 HR-Manager; Mehrfachantworten möglich

Jobsharing ineffizient für Geschäftsprozesse

Die Gründe, warum Schweizer Unternehmen beim Jobsharing skeptisch sind, zeigt die Umfrage deutlich. Knapp ein Drittel (31 %) der HR-Manager, die Jobsharing ablehnen, betrachtet dieses Arbeitsmodell als ineffizient im Hinblick auf die geschäftlichen Anforderungen. Jeweils 27 % der Befragten finden, dass Jobsharing die Zusammenarbeit im Team erschwere oder das Management komplizierter mache. Jeder Fünfte (20 %) ist der Meinung, dass die Aufgaben physische Präsenz am Arbeitsplatz erfordern.

Robert Half hat die HR-Manager in der Schweiz, die kein Jobsharing anbieten, gefragt: Warum bietet Ihr Unternehmen kein Jobsharing an?

Ineffizient im Hinblick auf unsere geschäftlichen Anforderungen

31 %

Management zu kompliziert

27 %

Unmöglichkeit der Zusammenarbeit im Team

27 %

Rolle(n) erfordern physische Präsenz

20 %

Ressourcenmangel

11 %

Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2014, Befragte: 100 HR-Manager

Jobsharing bindet Mitarbeiter

Unternehmen, die sich als moderne Arbeitgeber präsentieren möchten, sollten den Aufwand nicht scheuen und ihren Mitarbeitenden auch für verantwortungsvolle Positionen das Arbeitsmodell Jobsharing anbieten. Obwohl Schweizer Firmen schon eine ganze Reihe an flexiblen Arbeitsmodellen umsetzen, können sie mit Jobsharing qualifizierte Fachkräfte für sich gewinnen und dauerhaft an sich binden“, kommentiert Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half, die Ergebnisse. „Moderne Kommunikationsmittel und technische Möglichkeiten helfen dabei, die Zusammenarbeit effektiv zu gestalten und Jobsharing für alle Seiten noch attraktiver zu machen. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass die Chemie zwischen den ‚Jobsharern‘ stimmt und sie effizient zusammenarbeiten.

So können Unternehmen von Jobsharing profitieren:

  • Wissensgewinn: Zwei Mitarbeiter füllen die Stelle mit ihren unterschiedlichen Stärken aus. Dadurch entstehen Synergieeffekte für einzelne Projekte und das Unternehmen.
  • Urlaubs- und Krankheitsvertretung ist geregelt: Die Aufgaben beider Mitarbeiter sind zwar klar voneinander getrennt, dennoch kennt jeder die Themen und Projekte des anderen und kann sie nahtlos bearbeiten.
  • Hohes Arbeitsaufkommen kann besser bewältigt werden: In den meisten Jobs gibt es besonders stressige Zeiten, in denen viele Deadlines eingehalten werden müssen. Beim Jobsharing können dabei die Stärken beider Mitarbeiter so eingesetzt werden, dass die Belastung nicht überhand nimmt.
  • Erhöhte Flexibilität: Handelt es sich zum Beispiel um eine Position, die in vielen Unternehmensprozessen gefragt ist, steht immer ein Ansprechpartner zur Verfügung.

Das sollten Unternehmen bei Jobsharing beachten:

  • Organisatorische Herausforderungen: Jobsharing erfordert viel Disziplin, besonders bei der Kommunikation – nicht nur von den betreffenden Mitarbeitern, sondern auch vom Unternehmen und von den Kollegen.
  • Abstimmung mit dem Sharing-Partner kann problematisch werden: Beide Mitarbeiter sollten menschlich gut miteinander auskommen und die gleiche Verantwortung übernehmen, um unnötige Diskussionen zu vermeiden.
  • Ständige Übergabe notwendig: Neben Disziplin und Organisationstalent sollten technische Tools, wie Excel-Listen oder ein gemeinsamer Kalender, eingesetzt werden, die die Einsicht in die Prozesse des jeweils anderen erleichtern.
  • Mehrkosten einkalkulieren: Für zwei Teilzeitstellen können Mehrkosten, z. B. durch höhere Sozialabgaben, anfallen. Jedoch zahlt sich das für den Arbeitgeber in der Regel aus, da eingearbeitete Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen gebunden werden.