Warum emotionale Intelligenz im Beruf so wichtig ist

Von Christina Holl 24. Juli 2019

Mit einem IQ wie Einstein sind Sie in der Forschung sicherlich schwer gefragt. Im Arbeitsleben ist Intelligenz natürlich auch ein wichtiger Faktor, doch statt auf den IQ setzen Unternehmen heute verstärkt auf den EQ – die emotionale Intelligenz. Wer sie besitzt, hat eine besonders wertvolle Fähigkeit, die auch im Beruf gefragt ist. Und das gilt nicht nur für Führungskräfte: Vor allem in Assistenz-Jobs ist ein hoher EQ wichtig, um Menschen richtig einzuschätzen und alle Fäden in der Hand zu halten.

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Emotionale Intelligenz: Studie belegt, wie wichtig sie im Beruf ist

Hat Ihnen im Büro schon mal jemand gesagt, dass er Sie als Gesprächspartner sehr schätzt? Wenden sich Kollegen häufig an Sie, weil sie wissen, dass Sie das Problem schnell verstehen und auch dann eine Lösung haben, wenn andere schwarz sehen?

Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, die sogar mit unangenehmen Gesprächssituationen gut umgehen können und gelegentliche Launen des Chefs nicht gleich persönlich nehmen.

Wenn das der Fall ist, verfügen Sie ziemlich sicher über einen besonders wichtigen Soft Skill – nämlich eine hohe emotionale Intelligenz. Diese Fähigkeit spielt im Beruf eine wichtige Rolle, und zwar für Führungs- genauso wie für Fachkräfte.

Das belegt eine Studie im Auftrag von OfficeTeam, dem weltweit führenden Personalvermittler für Fachkräfte im administrativen und kaufmännischen Bereich. Annähernd alle der mehr als 600 befragten Personalmanager (95 %) und 800 Beschäftigten (99 %) gaben an, dass sie emotionale Intelligenz für eine Fähigkeit im Beruf halten, die jeder mitbringen sollte.

Was ist emotionale Intelligenz – und welche Kompetenzen gehören dazu?

Aber was genau steckt eigentlich hinter diesem derzeit sehr angesagten Begriff? Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, sich seiner eigenen Emotionen und auch der Gefühle des Gegenübers bewusst zu sein, eigene Empfindungen zu verstehen und bewusst zu steuern.

Diese heute allgemein anerkannte Definition hat der US-amerikanische Psychologe Daniel Goleman entwickelt. In Anlehnung an den Intelligenzquotienten (IQ) spricht man vom EQ, wenn man beschreibt, in welchem Mass eine Person emotional intelligent ist.

Das klingt für Sie alles selbstverständlich? Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel. Denn was Sie damit leisten, ist eine komplexe Angelegenheit, für die Sie jede Menge Eigenschaften mitbringen. Bei der Arbeit wird die emotionale Intelligenz laut Goleman durch 5 wichtige Kernkompetenzen bestimmt:

  1. Selbstwahrnehmung: Die Fähigkeit, eigene Emotionen und auch deren Wirkung auf andere bewusst wahrzunehmen – und sich selbst so quasi objektiv zu betrachten.
  2. Selbstregulierung: Die Fähigkeit, Emotionen und Impulse zu kontrollieren und ihnen nicht impulsiv nachzugeben.
  3. Motivation: Die Fähigkeit, auch frustrierende Situationen auszuhalten und sich immer wieder neu für die Erreichung seiner Ziele zu motivieren. 
  4. Empathie: Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und entsprechend verständnisvoll zu reagieren.
  5. Soziale Fähigkeiten: Die Fähigkeit, Kontakte zu fremden Menschen aufzubauen und bestehende Kontakte zu pflegen. 

Emotionale Intelligenz ist eine wichtige Führungskompetenz. Führungskräfte müssen eine gewisse Selbstkontrolle an den Tag legen: Ein Chef, der bei jeder Gelegenheit impulsiv oder gar laut wird, wirkt unprofessionell und nicht besonders souverän. 

Zudem muss sich ein Vorgesetzter in seine Mitarbeiter hineinversetzen können, um sie immer wieder zu motivieren und Probleme im Team oder bei Arbeitsabläufen rechtzeitig zu erkennen.

Wer mit emotionaler Intelligenz führt, blockt ausserdem Kommunikation nicht ab, sondern lässt sie zu oder fördert sie im besten Fall sogar aktiv. Der Chef hingegen, der sich am liebsten im Büro verschanzt und auf dem Korridor kaum mal einen Blickkontakt zu seinen Mitarbeitern hinbekommt, dürfte nur mit niedriger emotionaler Intelligenz ausgestattet sein. 

Oft unterschätzt: So wichtig ist emotionale Intelligenz für Assistenz-Jobs

Besonders gefordert ist emotionale Intelligenz auch bei administrativen Tätigkeiten und bei Assistentinnen und Assistenten. Denn: Nur Briefe tippen und Kaffee kochen – das reicht schon lange nicht mehr.

Das alte Berufsbild der Sekretärin hat sich stark gewandelt und damit auch die erforderlichen Fähigkeiten. Assistenz-Jobs sind heutzutage komplex, anspruchsvoll und umfassen häufig auch Führungsaufgaben. Fachliche Kompetenz allein genügt da nicht – auch die Soft Skills müssen stimmen.

Warum ist emotionale Intelligenz gerade für Assistenten so wichtig?
 

Sie sitzen meist an wichtigen Schaltstellen im Unternehmen und haben entsprechend viel mit Menschen zu tun – mit eigenen Kollegen wie auch Kunden und geschäftlichen Kontakten. Ohne soziale Intelligenz, Menschenkenntnis und Kommunikationsfähigkeit geht hier nicht viel. 

Auch Multitasking-Fähigkeit im Job ist ein wichtiges Stichwort: Wer etwas vom Chef will, wendet sich zuerst ans “Vorzimmer”. Dort prasseln also Anliegen aller Art ein und das häufig von mehreren Seiten gleichzeitig. Nebenbei klingelt das Telefon und dann delegiert der Chef noch eine dringende Aufgabe per Zuruf aus dem Nebenzimmer.

Erkennen Sie vielleicht Ihren eigenen Arbeitsalltag hier wieder? Dann wissen Sie sicher: 

  • Jetzt gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht von seinen Emotionen leiten zu lassen. Und das ist viel leichter gesagt als getan: 61 % der für die OfficeTeam-Studie befragten Arbeitnehmer räumten ein, bei der Arbeit schon einmal die Kontrolle verloren und emotional reagiert zu haben.
  • Zudem hilft emotionale Intelligenz dabei, sich von schwierigen Gesprächspartnern nicht persönlich angegriffen zu fühlen, sondern sie quasi zu „lesen“ und so auf ihre Anliegen einzugehen, dass sie sich verstanden fühlen.

Von Multitasking kann man bei Assistenz-Jobs noch in anderer Hinsicht sprechen, denn die Aufgaben können sehr breit gefächert sein. Firmenfeiern planen, Mentoring neuer Mitarbeiter oder Repräsentation bei Terminen: Jeder Tag bringt eine Vielzahl an Aufgaben mit sich, zwischen denen bei Bedarf auch schnell hin und her gewechselt werden muss. 

Kann man emotionale Intelligenz lernen?

Ja, grundsätzlich geht das. Manche Menschen sind bereits von Natur aus mit einem hohen EQ gesegnet, was ihnen im Beruf vieles erleichtert und so manche Tür öffnet. Doch kein Neid: Auch Sie können Ihre emotionale Intelligenz verbessern. Am besten fördern Sie sie, indem Sie bei den Kernkompetenzen ansetzen.

  • Arbeiten Sie an Ihrer Selbstwahrnehmung: Akzeptieren Sie Ihre Emotionen und verdrängen Sie sie nicht. Machen Sie sich bewusst: Welche Gefühle (Stress, Ärger, Frustration, …) sorgen häufig dafür, dass Sie nicht so reagieren, wie sie es gerne würden? Wenn Sie sich unsicher sind, bitten Sie vertraute Personen aus Ihrem Job-Umfeld um eine Einschätzung.
     
  • Erst nachdenken, dann handeln: Wenn Sie sich beispielsweise über etwas ärgern, versuchen Sie, Ihre Emotionen unter Kontrolle zu bringen – dann erst reagieren Sie. So trainieren Sie die Fähigkeit zur Selbstregulierung.
     
  • Hören Sie anderen gut zu und achten Sie auch auf Körpersprache: Aufmerksamkeit hilft Ihnen, sich in Ihr Gegenüber hineinzuversetzen und empathisch zu reagieren – auch auf das, was vielleicht gar nicht gesagt wurde.
     
  • Behalten Sie Ihre sozialen Kompetenzen im Blick.

 

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Bildquelle: © amyhirschi - Unsplash.com

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